Ein Abend voller Licht, Musik und leiser Verbundenheit.

Es war das erste Weihnachten ohne meine Mutter. Der Platz, an dem sie sonst saß, blieb leer – und doch war sie überall. In den Kerzen, die wir anzündeten. In dem Duft von Braten und Zimt. In den Blicken, die mein Vater, meine beiden Söhne und ich uns am Tisch zuwarfen: still, liebevoll, ein wenig verloren.

Wir aßen zusammen, sprachen wenig, aber das Schweigen war nicht kalt. Es war durchzogen von Wärme und Hoffnung, und von dem Wissen, dass wir uns gegenseitig stützten.

Da klingelte es. Ein Freund meines Sohnes stand vor der Tür, zögernd, fast verlegen. Er gehört dem islamischen Glauben an, und Weihnachten war für ihn bisher nur ein fremdes Fest. Wir baten ihn herein, rückten zusammen, und bald tauschten wir Geschichten und Anekdoten aus – über Erlebnisse, über Feste, über das, was uns verband.

Irgendwann stand mein Vater auf, holte sein Akkordeon hervor und spielte drei, vier Weihnachtslieder. Leise zuerst, dann mutiger. Als sein Repertoire zu Ende war, wechselte er zu alten Volksliedern, zu Melodien, die jeder kannte.

Wir schunkelten, hielten uns an den Händen, lachten. Die Traurigkeit wich nicht ganz, aber sie wurde weich, durchlässig. Für ein paar Stunden war alles anders – heller, leichter, verbunden.

Als der Freund meines Sohnes ging, drehte er sich in der Tür noch einmal um. „Ich hätte nie gedacht, wie schön so ein Weihnachtsfest sein kann“, sagte er.

Und ich wusste: Auch wenn meine Mutter fehlte, war etwas Neues entstanden. Etwas, das bleibt...