Im Gespräch mit Kirsten Reko
Ein persönliches Selbstinterview über Arbeitsweise, Inspiration und mein aktuelles Frauenliteratur‑Projekt.
Wie entstand die Idee zu Was wir verschweigen?
Ich wollte einen Roman schreiben, der zeigt, wie subtil Macht wirken kann. Nicht durch laute Gewalt, sondern durch Blicke, Routinen, Schweigen. Die Idee kam aus vielen kleinen Beobachtungen: Wie Dörfer funktionieren, wie Frauen sich gegenseitig tragen, wie Vergangenheit in Gegenwart hineinragt. Es war kein einzelner Moment, sondern ein langsames Verdichten.
Was reizt Sie an psychologischer Spannung?
Mich interessiert, was zwischen Menschen passiert, bevor etwas passiert. Die feinen Verschiebungen, die unausgesprochenen Konflikte, die Loyalitäten, die man nicht laut benennt. Psychologische Spannung entsteht für mich nicht durch Blut, sondern durch Nähe.
Welche Rolle spielen Frauen in diesem Roman?
Eine zentrale. Ich wollte zeigen, wie Frauen Verantwortung, Angst, Mutterschaft und Loyalität gleichzeitig tragen und wie komplex das wird, wenn ein System sie beobachtet, bewertet oder zum Schweigen bringt. Die vier Frauen im Roman sind keine Heldinnen, sondern Menschen, die handeln müssen, weil Nicht‑Handeln keine Option mehr ist.
Wie viel von Ihnen steckt in den Figuren?
Immer ein bisschen. Nicht biografisch, sondern emotional. Ich kenne das Gefühl, zwischen Mut und Angst zu stehen, zwischen Verantwortung und Freiheit. Diese Spannungen fließen in meine Figuren ein, ohne dass sie „ich“ sind.
Warum schreiben Sie über Dörfer?
Weil Dörfer psychologisch unglaublich interessant sind. Sie sind kleine Systeme, in denen jeder jeden kennt oder zu kennen glaubt. Schweigen hat dort Gewicht. Nähe auch. Und manchmal ist das Gefährlichste nicht das, was passiert, sondern das, was alle wissen und niemand sagt. In Dörfern weiß ja jeder alles über jeden, oder glaubt zu wissen.
Was bedeutet Ihnen dieses Projekt?
Sehr viel. Was wir verschweigen ist ein Roman über Solidarität, über die feinen Linien zwischen Schuld und Selbstschutz, über die Frage, wie weit man gehen darf, um sich und andere zu schützen. Es ist ein Buch, das ich schreiben musste.
Wie ist der aktuelle Stand?
Das Manuskript befindet sich in der Verlagsprüfung.
Ich arbeite parallel weiter an Figurenbögen und natürlich Marketing und sowas, und ich freue mich darauf, wohin der Weg führt.
Was können Leserinnen erwarten?
Atmosphäre. Nähe. Spannung, die nicht aus Ermittlungen entsteht, sondern aus Beziehungen. Ein Dorf, das mehr durch Blicke regiert wird als durch Beschlüsse. Und vier Frauen, die lernen, dass Schweigen schützt und zerstört.
