Im Gespräch mit Kirsten Reko



Ein Gespräch über Wahrheit, psychische Gewalt und den Mut, für die eigenen Kinder zu gehen.

Warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

Weil psychische Gewalt oft unsichtbar bleibt, selbst für die Menschen, die sie erleben. Ich wollte zeigen, wie leise diese Dynamiken beginnen, wie normal sie sich anfühlen können und wie schwer es ist, sie zu erkennen.

„Ich ging für sie“ erzählt die wahre Geschichte einer Frau, die erst spät begreift, dass sie in einer toxischen Beziehung gefangen ist und die dennoch die Kraft findet, für ihre Kinder zu gehen.


Was macht diese Geschichte so besonders?

Sie ist real. Sie ist ungefiltert. Und sie zeigt, dass Gewalt nicht laut sein muss, um zerstörerisch zu wirken.

Die Protagonistin erlebt Love Bombing, Gaslighting, Kontrolle, Entwertung, all die Mechanismen narzisstischer Beziehungssysteme. Doch im Zentrum steht nicht die Gewalt, sondern der Mut, sich selbst wiederzufinden.


 Wie beginnt die Beziehung im Buch?

Warm. Vertraut. Richtig. Wie so viele toxische Beziehungen beginnt auch diese mit Nähe, Aufmerksamkeit und dem Gefühl, endlich gesehen zu werden. Erst später zeigen sich die feinen Risse und die Wahrheit dahinter.


 Welche Rolle spielen die Kinder in dieser Geschichte?

Die Kinder spielen eine zentrale Rolle. Die Entscheidung „für sie zu gehen“ ist ein Akt von Liebe und Verantwortung. Das Buch zeigt, wie schwer es ist, Kinder in einer toxischen Beziehung zu schützen und wie viel Mut es braucht, den entscheidenden Schritt zu gehen.


Was möchten Sie Betroffenen mitgeben?

Dass ihre Wahrnehmung zählt. Dass psychische Gewalt real ist, auch wenn sie keine blauen Flecken hinterlässt. Und dass es möglich ist, sich zu befreien, selbst wenn der Weg dorthin schmerzhaft und lang erscheint.


Warum ist dieses Buch gesellschaftlich relevant?

Weil psychische Gewalt noch immer unterschätzt wird. Weil Betroffene oft allein gelassen werden. Und weil wir als Gesellschaft lernen müssen, die leisen Formen von Gewalt ernst zu nehmen.  Dieses Buch ist ein Beitrag gegen das Schweigen.


Was wünschen Sie sich, dass Leser*innen aus dem Buch mitnehmen?

Dass sie verstehen, wie komplex toxische Beziehungen sind. Dass sie Mitgefühl entwickeln für Betroffene, aber auch für sich selbst. Und dass sie spüren, wie viel Kraft in der Wahrheit liegt. Ich hoffe, dass Betroffene, die das lesen, den Mut finden zu gehen und für sich selbst und ihre Kinder einzustehen, und ich wünsche mir, dass es jeder Frau geschenkt wird, die sich in solch einer Beziehung befindet.


Wie ordnen Sie „Ich ging für sie“ literarisch ein?

Es ist eine Tatsachenerzählung, aber zugleich ein psychologisch intensiver Roman. Er verbindet dokumentarische Klarheit mit literarischer Tiefe und emotionaler Nähe. Es ist ein Buch für Menschen, die verstehen wollen, was hinter verschlossenen Türen passiert.


 Was hat Sie beim Schreiben am meisten bewegt?

Die leisen Momente.

Die Stellen, an denen die Protagonistin spürt, dass etwas nicht stimmt, aber noch keine Worte dafür hat. Und der Moment, in dem sie erkennt, dass sie gehen muss, um ihre Kinder zu schützen.