Jede Geschichte bewegt sich zwischen zwei Polen: der Realität, die uns prägt, und der Fiktion, die uns befreit. Autor:innen stehen immer wieder vor der Frage: Wie viel Wahrheit darf oder soll ins Buch? Und wo beginnt die literarische Freiheit, die aus Erlebtem Kunst macht?
Balance zwischen Authentizität und literarischer Freiheit
Authentizität als Fundament
- Wahrheit schafft Nähe: Lese*:innen spüren, wenn Erfahrungen echt sind. Authentische Details erzeugen Vertrauen und Resonanz.
- Persönliche Erlebnisse: Eigene Erfahrungen können als Ausgangspunkt dienen, ohne dass sie eins zu eins abgebildet werden müssen.
- Emotionale Wahrhaftigkeit: Oft ist nicht der Fakt entscheidend, sondern die emotionale Wahrheit dahinter.
Freiheit der Fiktion
- Literatur als Möglichkeitsraum: Fiktion erlaubt es, Grenzen zu überschreiten, Perspektiven zu wechseln und neue Welten zu erschaffen.
- Schutz der Privatsphäre: Figuren dürfen inspiriert sein, aber sie müssen nicht identisch mit realen Personen sein.
- Verdichtung und Symbolik: Fiktion kann Realität verdichten, überhöhen oder symbolisch darstellen, um eine tiefere Wahrheit zu transportieren.
Die Balance finden
- Fragen an sich selbst:
- Dient die Wahrheit der Geschichte oder nur der Enthüllung?
- Wird durch Fiktion eine größere Klarheit erreicht?
- Respekt und Verantwortung: Authentizität darf nicht auf Kosten anderer gehen.
- Literarische Ethik: Die Freiheit der Kunst endet dort, wo sie Schaden anrichtet.
Fazit
Zwischen Realität und Fiktion liegt kein Widerspruch, sondern ein Spannungsfeld, das Literatur lebendig macht. Authentizität schenkt Tiefe, Fiktion eröffnet Möglichkeiten. Die Kunst besteht darin, beides so zu verweben, dass Leser*innen nicht nur Fakten erkennen, sondern eine Wahrheit spüren, die über das Leben hinausweist.
